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Textiltechnik VI –
Leinwand, Köper, Atlas

04.10.2021

Die Bindungstechniken und ihre Funktionen

In einem Gewebe kreuzen sich zwei Fadensysteme – Kette und Schuss. Die beiden Systeme stehen dabei im 90°-Winkel zueinander. Wo sich Kett- und Schussfaden kreuzen, liegt entweder der Kettfaden über dem Schussfaden (Ketthebung) oder der Schussfaden über dem Kettfaden (Kettsenkung).

Durch die unterschiedliche Kombination von Ketthebungen und -senkungen lassen sich unzählig viele Gewebekonstruktionen erzeugen. Die Textiltechnik unterscheidet drei Grundbindungen. Die drei Bindungstechniken beeinflussen nicht nur die Ästhetik und Haptik, sondern auch die technischen Eigenschaften eines Textils. Die Art der Bindung wirkt sich zum Beispiel darauf aus, wie fest das Gewebe ist, wie formbar und wie durchlässig es ist.

Leinwandbindung: Ketthebungen und Kettsenkungen bilden eine Art Schachbrettmuster.

Leinwand: hohe Stabilität

Bei einem Leinwandgewebe kreuzen sich die Fäden der beiden Fadensysteme im Verhältnis 1 zu 1. Nach jeder Ketthebung folgt eine Kettsenkung. Leinwandbindungen besitzen dadurch die höchste Verkreuzungsdichte. Zugleich werden die Fäden mit dieser Technik am stärksten gewellt (Fadenondulation). Gewebe in Leinwandbindung besitzen eine besonders hohe Verschiebestabilität.

Köper-Bindung: Der gleichmäßig versetzte Rapport von einer Ketthebung und mehreren Kettsenkungen bildet eine diagonale Textil-Struktur.

Köper: hohe Dichte

Bei der Köper-Bindung folgen die Fäden einem gleichmäßig wiederkehrenden Rapport, z. B. auf eine Ketthebung zwei Kettsenkungen. Dadurch ergibt sich ein diagonales Bild der Gewebeoberfläche. Die Köper-Bindung ermöglicht eine höhere Fadendichte des Gewebes und wird für Jeans-Stoffe genutzt.

Atlas-Bindung: Auf eine Ketthebung folgen mehrere Kettsenkungen. So entsteht eine besonders glatte Oberfläche.

Atlas: glatte Oberfläche

Bei einem Gewebe aus Atlas-Bindung finden sich auf der einen Seite vorwiegend Kett-Fäden, auf der anderen vorwiegend Schuss-Fäden. Denn auf eine Ketthebung folgen jeweils mindestens zwei Kettsenkungen und die Bindungen einer Schussreihe sind zu den Bindungen der Folgereihe so versetzt, dass sich die Bindungspunkte – anders als bei der Köper-Bindung – nicht berühren. Es ergeben sich dadurch insgesamt weniger Bindungspunkte. So können eine hohe Fadendichte in beide Richtungen und eine besonders glatte Oberfläche erzeugt werden. Atlasgewebe besitzen geringere Verschiebefestigkeit und weisen gute Drapiereigenschaften auf.

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Fotos, Illustrationen: JUMBO-Textil